"Tatort": Der Mörder ist selten der Gärtner

Nora Tschirner, Titus Selge und Christian Ulmen beim Drehstart für "Der kalte Fritte" (Arbeitstitel)
Foto: obs / MDR / Anke Neugebauer

Das ist toll. Es wird wieder einen "Thüringen-Tatort" geben. Und die Vorschau verspricht uns voll aus dem prallen Thüringer Leben gegriffene Inhalte:

"Bei einem Einbruch in seine Weimarer Villa wird der Milliardär Alonzo Sassen ermordet. Seine junge Frau Lollo erschießt den Täter - offenbar in Notwehr. Die Kriminalhauptkommissare Kira Dorn und Lessing observieren Lollo, die danach im Bordell "Chez Chériechen" Arbeit sucht. Dieses wird von Fritjof "Fritte" Schröder geführt. Dessen Bruder Martin betreibt mit seiner Frau Cleo in der Nähe Weimars einen Steinbruch, der am Rande der Insolvenz steht. Als besondere geologische Formation ist er einer der zwei potentiellen Standorte für das geplante "Goethe-Geomuseum". Diese Nutzung wäre die finanzielle Rettung der Schröders. Doch Sassen hatte angekündigt, der Stadt ein Grundstück in Weimars bester Lage, am Frauenplan, zu schenken, um das Museum dort errichten zu können. War das sein Todesurteil?"

Jo. Genauso geht es tatsächlich zu, jeden Tag, in unserer echt Thüringer Realität zwischen den vielen Bäumen. Und der Mörder? Ist bestimmt wieder der Gärtner. Oder "der Fritte". Denn der ist ja so etwas wie der typische Thüringer Unternehmer, wenn er ein Bordell mit dem Namen "Chez Chériechen" betreibt. Alle anderen hiesigen Kapitalisten haben schließlich insolvente Steinbrüche.

Aber egal, ob Steinbruch oder Bordell: Das Berliner "Verbraucherportal"-Startup "Netzsieger" und seine nach eigenen Angaben "mehr als 30 Mitarbeiter" verfügen offensichtlich über viel freie Zeit sowie ein enormes Durchhaltevermögen und haben für uns "Tatort-Verbraucher" einmal genau nachgeschaut. Und zwar alles und bis zum Schluss. Immerhin 1023 Folgen und 1.156 Täter hat der "Tatort" mittlerweile- und gerade ein einziges Mal ist der Mörder von Beruf Gärtner.

Damit sind Gärtner kein Stück mörderischer als Steilwand-Fahrartisten (Tatort Nummer 95), Generalkonsule des fiktiven Emirats Kumar (916), Wahrsagerinnen (847), Leiterinnen von deutsch-afrikanischen Begegnungszentren (Folge 809), schwedische Spioninnen (760), Zirkusbesitzerinnen (900), Referentinnen im Bundesgesundheitsministerium (682), Kaninchenzüchter (551), Internatsleiterinnen von Eliteschulen (573) oder Pop-Sängerinnen (653).

Viel gefährlicher sind eben tatsächlich Unternehmer, Manager und Selbständige. Sie meuchelten bundesweit in bisher 109 Tatort-Folgen. Insgesamt 100 Tatort-Mörder waren von Beruf aus kriminell und mit immerhin 54 Fällen liegt eine Berufsgruppe an dritter Stelle, deren Bedrohlichkeit vielen von uns bisher so nicht geläufig war: Schüler und Schülerinnen. Den Platz vier mit 49 Tätern belegen übrigens Polizisten.

Etwa drei Viertel aller erfassten Tatort-Mörder sind männlich. Auch bei den Mordopfern ist das Verhältnis von weiblichen und männlichen Opfern recht ähnlich. Alles in allem kamen 1057 Männer und 485 Frauen zu Tode. 124 Ermordete konnten nicht eindeutig identifiziert werden, dazu gehören 49 Opfer des finalen Blutbads im Wiesbadener Tatort "Im Schmerz geboren" oder die 25 Opfer eines abergläubischen Sägewerkbesitzer im Kieler Tatort "Tango mit Borowski".

Wer setzt sich jetzt hin und analysiert zum Vergleich einmal "C.S.I."?

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