Das ZDF verliert die Champions League an Sky und Dazn- wahrscheinlich für immer

Foto: ZDF / Marianne Müller

"Wir hätten unseren Zuschauern gerne auch über 2018 hinaus die Livespiele der Champions League gezeigt. Deshalb hat das ZDF ein sehr gutes Angebot abgegeben. Als beitragsfinanzierter Sender gab es dafür allerdings eine klar definierte Obergrenze. Wir sind auch ohne die Rechte wettbewerbsstark und haben Alternativen. Anstelle der Übertragungen können wir künftig in andere hochwertige Programmangebote investieren. Für die Fußballfans ist die Verlagerung der Champions League in das Pay-TV eine schlechte Nachricht. Europäischer Spitzen-Fußball wird zu einem exklusiven Angebot für deutlich weniger Zuschauer als bisher."

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut klingt schon ein wenig wie der Fuchs in der alten Geschichte mit den Trauben. Die Champions-League gibt es nun wirklich bald nur noch im Noch-mehr-Bezahlfernsehen. Denn auch das ZDF ist per Rundfunkgebühr schließlich Pay-TV, nur dass andere für uns abonnieren, aber nicht bezahlen. Und die Nachricht stand schließlich auch bereits vor einem Monat in der BILD-Zeitung. Genügend Zeit also für alle Beteiligten, um sich auf das anscheinend Unvermeidliche vorzubereiten.

Andere dagegen feiern jetzt nach der endgültigen Bekanntgabe: "Sky ist und bleibt die Heimat der UEFA Champions League in Deutschland und Österreich", so Carsten Schmidt von Sky Deutschland. Und der Überraschungs-Mitsieger "Dazn" feiert wohl fast noch ein wenig mehr: "Die UEFA Champions League ergänzt das Live-Angebot an europäischem Spitzenfußball auf Dazn perfekt", so James Rushton.

So lauten die offiziellen Daten zum Deal: Ab der Saison 2018/19 bis einschließlich 2020/21 werden alle Spiele der Königsklasse exklusiv nur noch im Pay-TV oder als Streaming-Angebot ausgestrahlt. Sky Deutschland sichert sich die Übertragungsrechte für alle Verbreitungswege und wird die Übertragungen der UEFA Champions League weiterhin über Satellit, Kabel, IPTV und Web/Mobile (Sky Go und Sky Ticket) anbieten. Die Perform Group wird als Sublizenznehmer ihre Spiele über ihren Streaming-Dienst Dazn verbreiten.

Weitere Einzelheiten, so heißt es, werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Mit dem Argument "deutlich weniger Zuschauer als bisher" versuchte das ZDF wohl noch bis zuletzt, den letztendlich unvermeidlichen Wandel noch einmal aufzuhalten. Und es stimmt ja auch- den Werbekunden in den Stadien und den Sponsoren der Vereine wird das nicht gefallen. Genau dies ist das eigentlich bemerkenswerteste an der Nachricht- und wie die Geschichte gestern vom "House of Cards" ein Anzeichen für eine Zeitenwende. Das eigentlich stichhaltige Argument zieht nicht mehr- weil die UEFA wie auch die Vereine im "neuen Fernsehen" größere Verdienstmöglichkeiten sehen.

So große, dass die Werbebanden und Sponsoren dagegen nicht mehr so wichtig scheinen. Und noch etwas: Mit ziemlicher Sicherheit ist es für immer. Denn auch, wenn für Sky und/oder Dazn die Rechnung nicht aufgeht: Danach kommt die gute alte Zeit des Free-TV bestimmt nicht zurück- sondern eher das Vereins-TV und der direkte Verkauf von virtuellen Eintrittskarten für Live-Spiele im Fernseh-Fußballstadion.

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