Amazon Prime mit Sozial-Tarif für die USA

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Für mich als Außenstehender war es einst eine sehr überraschende Erfahrung: Die USA sind in vielen Regionen ein sehr armes Land. Und Armut wird nicht toleriert.

Ein gar nicht untypisches Erlebnis geht so: Wir stehen an einer Supermarkt-Kasse irgendwo im Nirgendwo zwischen Utah und dem noch ärmeren Idaho. Vor uns eine Frau, die ihren Einkauf aus vielerlei bunten Schachteln und Flaschen über das Band jongliert und dabei mit der anderen Hand versucht, ihre zwei sehr lebendigen Kinder zu dressieren. Als es ans Bezahlen geht, zückt sie nicht die übliche Kreditkarte- sondern eine Art Coupons. Das für Deutsche gewöhnungsbedürftige US-amerikanische ach-was-sind-wir-heute-wieder-gut-drauf-Dauerlächeln ("How are you? Enjoy! Great!!) der Kassiererin erlischt. In ihrem Gesicht zeigt sich offene Abneigung. Der Ton wird militärisch korrekt. Auch die anderen Umstehenden gucken finster. Die Frau, so lerne ich später, bezahlte mit staatlichen Lebensmittelgutscheinen für Bedürftige. "Food Stamps", so hießen die Dinger einst - eine Art Sozialhilfe in Sachleistungen. Bist du arm in den USA, dann kann sogar der Einkauf von ein paar Flaschen Milch so eine Art Spießrutenlauf sein.

Heute ist alles moderner, es heißt jetzt "Supplemental Nutrition Assistance Program" (SNAP) und es gibt eine Art spezielle Kreditkarte dafür. Natürlich immer noch so, dass alle sehen, dass man kein eigenes Geld zum Bezahlen hat. Wir haben das Glück, Außenstehende zu sein. Nur Tage später nehmen wir den 17-Mile Drive und beobachten das so komplett andere Universum der Golfer am Pebble Beach.

Kürzlich habe ich bei uns den Begriff "Energie-Armut" gelernt. Mittlerweile gibt es ja auch in Deutschland wieder Menschen, die im Dunkeln sitzen, weil sie ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. Wo manche "Sozialschmarotzer" sehen, so wie Kassiererin und Kunden damals im US-Supermarkt, sieht Amazon offensichtlich etwas anderes: Ein Kunden-Potential. Ob so etwas auch zu uns kommt? In den USA jedenfalls gibt es Amazon Prime ab sofort gegen Nachweis der Bedürftigkeit zum ermäßigten Monatstarif von 5,99 Dollar- sofort kündbar, wenn auch das nicht mehr im Budget drin ist. Inklusive aller bei "Prime" üblichen Leistungen. Der "Normalpreis" für Prime liegt in den "Staaten" bei 10,99 Dollar im Monat- oder 99 pro Jahr.

"Wir wissen, wenn die Kunden Prime ausprobieren, dann lieben sie es- weil sie Zeit und Geld sparen durch niedrige Preise auf Millionen von Artikeln, den unbegrenzten Zugang zu Premium-Videos, Musik und schnelle sowie bequeme Lieferung", meint Greg Greeley, "Vice President" von Amazon Prime. "Wir bieten diese Möglichkeit zur Mitgliedschaft für Kunden, die staatliche Unterstützung erhalten, um unsere alltägliche Auswahl und die Einsparungen leichter zugänglich zu machen, einschließlich der vielen Bequemlichkeiten und Unterhaltungsmöglichkeiten von Prime."

Ich bin jetzt unsicher, ob wir Amazon-Chef Jeff Bezos als "Unternehmer des Jahres" nominieren oder gleich in Rom bei Papst Franziskus zur Heiligsprechung anmelden sollten.

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