Sonntag, 24. August 2014

Roku TV - smarte Fernsehgeräte vom Streaming-Spezialisten

Foto: Roku
Es ist mythologisch nicht zweifelsfrei geklärt, wer einst die Büchse der Pandora öffnete. Ja, es gibt sogar Quellen, die behaupten, die Büchse könnte in Wahrheit ein Krug gewesen sein. Egal, dass Gefäß wurde geöffnet und seitdem sind Dinge wie Krankheit, Tod oder gar Arbeit in der Welt. Dinge, auf die man dereinst gut verzichten konnte.

Für klassische Fernsehsender ist das Internet so eine Art Büchse der Pandora, die immer neue Dinge in die Welt entlässt. Dinge, die aus ihrer Sicht die Welt nicht unbedingt braucht. So wie Netflix zum Beispiel. Durch die Streamingplattformen werde der Markt für exklusive US-Inhalte für die Sender enger, so kürzlich RTL-Chefin Anke Schäferkordt. Oder wie Roku. Die hinterfragen gerade in den USA mit neuen SmartTV-Geräten das Konzept "Fernsehsender" bereits insgesamt.

"Roku TV ist der erste Smart TV im Sinne des Wortes" so beschrieb "Wired" die neuen Fernsehgeräte. Die gibt es ab sofort in den USA von TCL zu kaufen und demnächst von Hisense. TCL ist der drittgrößte Hersteller von Fernsehgeräten weltweit, natürlich aus China, genau so wie Hisense, die zur CES in Las Vergas bereits mit "Vidaa TV", einem Smart-TV-Betriebssystem auf Android-Basis auffielen.

Roku 3 Foto: Roku
Denn Roku ist kein TV-Gerätehersteller, sondern eigentlich nur eine Streamingplattform, die seit langem mit ihrem Würfel auf dem US-Markt gut unterwegs ist. Roku-Chef Anthony Wood sagt dazu: "Wir sind im Plattform-Geschäft. Unser Ziel ist es, dass Betriebssystem für TV-Geräte zu sein." In den bisher sechs Jahren, in denen der Roku-Würfel zusammen mit dem Apple-TV auf dem Markt ist, sei Roku in jedem Jahr gewachsen.

Die beiden "Roku-TV"-Geräte sind eigentlich die wohl ersten von Streaming-Spezialisten konzipierten Smart-TV. Und da gibt es ein interessantes neues Konzept für den Startbildschirm. Dort erscheint das bisherige Fernsehen unter "Kabel" oder "TV-Tuner" als einer von vielen möglichen Kanälen. Gleichberechtigt neben Spielkonsole, BlueRay-Player, Vevo oder Netflix. Oder Pandora. Das ist in diesem Fall aber Internet-Radio.

Der "Startbildschirm" ist nicht ganz unwichtig, das haben auch schon andere erkannt. Es ist nicht selbstverständlich, dass da erst einmal herkömmliches Fernsehen läuft, und man dann erst einmal in den Internet-Modus des Smart-TV muss, um die Streaming-Angebote zu finden. In Zukunft könnte das, wie Roku zeigt, auch umgekehrt sein.

Und noch mehr Unheil droht vielleicht aus der jetzt von Roku geöffneten Büchse der Pandora: Die Idee, dass Streaming-Anbieter eigene Fernsehgeräte bauen, ist in der Welt. Von Apple oder Google wurde das bisher erwartet und nichts geschah. Nach "Roku TV" ist ein "Amazon Fire Smart TV" schon fast zu erwarten. Vielleicht auch irgendwann Branding-Geräte von Streaming-Portalen wie Netflix oder Hulu.

Das kann für herkömmliche Fernsehsender zu einem weiteren Problem werden. Aber Pandora hat einst ja auch die Büchse ein zweites Mal geöffnet, um die noch eingesperrte Hoffnung in die Welt zu entlassen.

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