Freitag, 30. September 2016

"Cordcutting"- jetzt auch auf Deutsch und mit "waipu.tv"

Foto: Exaring AG

Eine "disruptive Next-Generation-TV-Plattform". Aha, "disruptiv". "Next Generation". App. Gähn. Kann weg. Moment mal- eigenes 12.000 km Glasfaser-Backbone-Netz? In Deutschland? Wie viel Glasfaser-Kilometer hat eigentlich die Telekom? Mein Interesse ist geweckt. Und "Exaring AG" habe ich doch schon mal irgendwo gehört. Ach ja- als Freenet Media Broadcast für DVB-T2 erwarb. Zu dieser Zeit haben sie auch 25% der Exaring-Aktien übernommen.

Nun gibt es von der Exaring AG etwas wirklich Neues und es heißt "waipu.tv". Bei uns kosten Kabel-TV-Anschlüsse mit ausreichend Programmen ja nun nicht gleich mal so um die hundert Dollar wie in den USA. Deshalb sind die "Cordcutter" nicht so ein großes Thema und uns gehen leider auch jede Menge wirklich lustige Business-Geschichten verloren. Aber wenn "waipu" auch nur halbwegs hält, was es verspricht, dann haben sowohl der klassische Kabel-TV-Anschluss als auch das Entertain-Fernsehen der Telekom jetzt einen kleinen "Disruptor" vor der Tür. Und die unmittelbaren Konkurrenten wie Magine und Zattoo sowieso.

Für das "innovative TV-Erlebnis" benötigt der Nutzer, so lernen wir, lediglich sein Smartphone und einen Breitband-Internetanschluss, der in der Regel vorhanden ist. Ja. Meistens von der Telekom oder eben einem Kabel-TV-Anbieter. Also mit dem kompletten "Cordcutting" wird es schon einmal nichts. Dann braucht man natürlich einen Fernseher und etwas, was die Bilder der App vom Smartphone dorthin bringt. Einen Chromecast zum Beispiel. Dann lassen sich bereits jetzt über 50 Fernsehsender - ab Anfang 2017 mehr als 100 - live empfangen, viele davon in HD.

Also jetzt mal nachrechnen: Die App gibt es kostenlos für Android und iOS und die öffentlich-rechtlichen Sender gibt es for free. Das Basis-Paket kostet 4,99 Euro im Monat, dann hat man auch die Privatsender und zusätzlich noch 10 Stunden Aufnahmespeicher für einen virtuellen Videorecorder in der Cloud zum später gucken. Aber noch kein HD. Das rundum glücklich-Paket mit HD und mobil gucken für unterwegs kostet 14,99 Euro. Im Vergleich zu herkömmlichem Kabel-TV zuzüglich HDplus oder Telekom Entertain gar nicht so schlecht.

Man kann 30 Tage kostenlos testen und monatlich kündigen. Und von 4KUHD über Gaming online oder gar Virtual Reality verspricht man bei "waipu" für die Zukunft noch mehr. Das eigene Glasfaser-Netz soll nicht nur stabilen Internet-Empfang auch in Spitzenzeiten gewährleisten, indem es "waipu" um die überlasteten Knotenpunkte "herumleitet". Es hat auch noch Kapazität für Ideen für mehr.

Wo ist der Haken? Tja. Fernsehempfang mit IP ermöglicht adressierbare Werbung. Es ist halt Internet. Und in einem geschlossenen System, in dem der Anbieter vom Kunden noch mehr weiß als nur die IP, da funktioniert das noch besser. Exaring hat schon extra einen "Vermarkter" gegründet. Bevor jetzt aber wieder der Aufschrei losgeht: Das ist alles noch gar nichts gegen dass, was zum Beispiel Amazon vorhat.

Ich empfehle daher: "Waipu" kommt aus dem japanischen und bedeutet "wischen". Also wischen wir das jetzt mal weg, so wie in der App. Rechnen wir statt dessen, ob es sich für uns als Kunden rechnet. Und dann ist das Ergebnis unterm Strich gar nicht so schlecht.

Donnerstag, 29. September 2016

"funk" geht ab: ARD und ZDF bieten uns ab Samstag die Funkytown

Foto: funk / Stefan Hoederath

Yeah. So muss dass. Eine halb verputzte alte Ziegelsteinmauer mit über Putz verlegtem Vorkriegs-Lichtschalter signalisiert Loft-Atmosphäre. Weil: Lofts sind in. Lofts sind trendy. Und jung. Praktisch alle echten YouTuber wohnen und arbeiten in Lofts. Dazu muss es bunt sein. So wie bei Google, nur nicht ganz so wie bei Google. Also die Farben etwas blasser, mehr deutsch. Alle jungen Menschen fühlen sich wohl bei Google. Das Set ist fertig. Und Start!

Das lange erwarte "junge Angebot" von ARD und ZDF startet übermorgen. Zuerst sollte es ja ein Jugendkanal werden. So richtig junges Fernsehen, um die Generation U30 vorsichtig an die wirklich wichtigen Programme wie Krimis mit Landeiern oder den Fernsehgarten heranzuführen. So hatte man es sich jedenfalls wohl in den "Anstalten" vorgestellt. Dann bekam die Politik einen Innovationsanfall und verbannte das Projekt dahin, wo deutsche Politiker es nicht sehen müssen, also ins Internet. Dann waren die Anstalten traurig. Und irgendwann erklärte wohl jemand den Gremien das unverhoffte Geschenk.

Eine Geschichte, wie sie das wahre Leben schreibt. So wie in Fargo. Also die in Film oder Serie ewig verschneite Stadt in North Dakota, in der so herrlich skurrile Menschen leben. Die Serie gibt es dann auch bei "funk". Als "catch-up", so lernen wir, zur "richtigen" Ausstrahlung bei ZDFneo.

Denn "funk" ist ja kein "Jugendkanal" mehr, also kein klassischer Fernsehsender. Das "Rund" ist dem "funk" abhanden gekommen und es ist auch nicht nur ein "junges Angebot". Das mysteriöse neue Gebilde soll die 14 bis 29-jährigen Zuschauer informieren, orientieren und unterhalten- als "Content-Netzwerk" von ARD und ZDF. Also eine Art Mediakraft, nur als Anstalt. Alles klar?

"Über 40" neue "Online Formate" erwarten uns nun ab dem 1. Oktober, die dann "gemeinsam mit den Usern weiterentwickelt" werden. Oder wie es ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut beschreibt: "Wir wollen mit unseren Inhalten junge Menschen erreichen, Teil ihrer Lebenswelt sein. Und wenn sie Medien anders nutzen, müssen wir unsere Strategien überdenken. Jetzt haben wir die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Zum ersten Mal können wir im Netz völlig unabhängig vom linearen Fernsehen agieren und zum Beispiel unsere Inhalte auf Drittplattformen ausspielen sowie Lizenzserien online zeigen. So können wir Formate ins Netz bringen, die junge Menschen interessieren und sie dort zeigen, wo sie medial unterwegs sind."

Medial unterwegs sein sollen die Jugendlichen dann auf der eigenen funk-App, der Webseite und natürlich "social medial" bei den üblichen Verdächtigen Facebook, YouTube oder Twitter & Co. Und sich dann tolle Videos dort anschauen wie "Börne betrunken" vom neuen Online-Format "Tatort- Die Show". Natürlich sind auch die YouTuber wie LeFloid weiter dabei.

Sogar alte weiße Männer bekommen bei "funk" eine Chance. "Hoff the Record" ist britische Comedy mit, ja, David Hasselhoff. Auch britische Science Fiction wird es geben mit "The Aliens". Genau das sind sicher die "funk" Macher um Chef Florian Hager im öffentlich-rechtlichen "System".

Nach aller Erfahrung haben sie keinerlei Aussicht auf Erfolg. Obwohl sie von Anfang an vieles richtig und fast nichts falsch machen. Macht nichts. Probieren, auf die Nase fallen und wieder aufstehen. Vielleicht passiert irgendwo was, was keiner erwartet. Und bis dahin kann man ja mit dem ergatterten Anteil vom Rundfunkbeitrag auch jede Menge Spaß haben...

Amazons Fire-TV hat einen neuen Stick- und bald mehr

Foto: Amazon US

Immer diese zufälligen Termine. Nächste Woche wird Google wohl den neuen Chromecast vorstellen und nun ist, zumindest in den USA, der bereits angekündigte neue FireTV-Stick mit Alexa-Sprachsteuerung von Amazon da. Und bald haben wir ihn sicher auch bei uns- jetzt, wo Amazons Echo auch in Deutsch erschallt.

Die nun vorgestellte zweite Generation des Sticks soll sowohl die billige Variante als auch den FireTV-Stick mit der bisherigen Sprachsteuerung ablösen. "Alexa" und das "Echo" sind bei uns aber noch "beta", nur auf Einladung- mal sehen, wie lange es noch dauert.

Für den US-Markt ist die Ansage des Marktführers in Richtung Google und Chromecast jedenfalls ziemlich laut und dröhnend: Trotz neuem Quad-Core-Prozessor und damit deutlich leistungsfähigerer Hardware kostet der Stick zumindest zur Einführung ganze 39,99 Dollar. Das sind immerhin 10 weniger (!) als das Vorgängermodell mit Sprachsteuerung. Und besseres WLAN als sein Vorgänger hat er auch.

Und weil das vielleicht immer noch nicht ausreicht, bekommen die schnellen US-Käufer noch schöne Geschenke dazu. Ab 20. Oktober gehen die Päckchen raus. Und wer bis zum 31. Oktober mit seinem neuen FireTV-Stick online geht, der kann einen Monat kostenlos "Sling TV" gucken, den Pay-TV-Service für Cordcutter. Dazu gibt es noch kostenlos Hulu, sogar zwei Monate. Und einen 10 Dollar Gutschein zum kaufen oder leihen bei Amazon Video noch obendrauf.

Ein Geschäft ist der FireTV-Stick für Amazon damit sicher nicht. Das wird der Stick dann aber sicherlich später- wenn er den Fernseher des Kunden übernommen hat.

Gleich mit angekündigt wurde ein weiteres FireTV-Update, das eine neue Bedienungsoberfläche mitbringen soll. Ein "echtes Kinoerlebnis" soll Fire-TV dann liefern. Trailer und Screenshots sollen helfen, die Wunsch-Inhalte besser zu finden und direkt ohne den Umweg über die Apps zu starten.

Warum fällt mir dazu jetzt ausgerechnet der Trailer ein? Keine Ahnung..

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